Zöliakie – Wenn Brot und Pizza zum Problem wird

1. August 2015

BrotDie „free from-Hauptsache-Ohne-Welle“ hat jetzt offenbar auch das Gluten entdeckt. Mehr und mehr vollkommen Gesunde verzichten auf Gluten und begründen das mit einer „Unverträglichkeit“, Unpässlichkeiten beim Konsum von Pizza, Brot und Gebäck. Doch selten sind diese Menschen medizinisch abgeklärt, sondern vertrauen statt dessen auf dubiose Laborergebnisse oder „Ernährungsberatern“, die ihr Wissen in Schnellkursen erlangten, oder gänzlich nicht vom Fach sind. Hauptsache-Ohne beschert den Herstellern von glutenfreien Lebensmitteln immense Gewinne und suggeriert den Befolgern dieser Welle selten mehr als ein „gutes Gewissen, etwas für die Gesundheit zu tun“. Nur – ist glutenfrei tatsächlich gesund?

Ohne den „Klebstoff“ Gluten würde kein Brot und kein Teig zusammenhalten. Wird dieses Getreideeiweiss nicht vertragen, sprechen wir von Zöliakie. Betroffene müssen eine lebenslange Diät einhalten.

Zöliakie ist weit verbreitet aber keine Allergie

Zöliakie ist eine chronische Erkrankung der Dünndarmschleimhaut, welche durch eine Unverträglichkeit auf Gluten verursacht wird. Die Darmschleimhaut wird durch das Essen von glutenhaltigen Lebensmitteln geschädigt, wodurch eine regelrechte Verdauung von Nährstoffen nicht mehr möglich ist. In der Folge kommt es zu einer Vielzahl von Symptomen, die von Gewichtsverlust über Blähbauch, bis hin zu Blässe, Durchfall, Verstopfung, Laktoseunverträglichkeit u.a. reichen können. Doch nicht alle, die eine Zöliakie haben, leiden an schweren Symptomen. Viele fühlen sich fast gesund. Durch neuere Studien muss daher damit gerechnet werden, dass ca. jedes 500te Kind und jeder 540te Erwachsene betroffen sind, viele davon unentdeckt, bis sie eine professionelle Ernährungstherapie aufsuchen oder beim Gastroenterologen genauer untersucht werden. Mit einfachen Laborwerten und esoterischen Diagnosemethoden ist es nicht getan.

Wenn Brot und Pizza nicht vertragen werden

Gluten findet sich in den Getreidesorten Weizen, Roggen, Gerste, Hafer, Dinkel/Urdinkel, Grünkern, Emmer, Einkorn, Kamut und Triticale. Ist eine Zöliakie diagnostiziert muss auf diese Getreidearten verzichtet werden. Als Ersatz für Brot und Co bieten sich an:

Glutenfreie Spezialprodukte Von Natur aus Glutenfrei
Mehle, Brote, Brotmischungen, Gebäck, Teigwaren, Biskuits erweitern den Speiseplan bei Zöliakie. Mais, Reis, Hirse, Buchweizen, Amaranth, Quinoa und Kiwicha, Kartoffen, Hülsenfrüchte sind Alternativen zu Brot und Co.
Weiterhin von Natur aus ohne Gluten sind Obst, Gemüse, Milch- und Milchprodukte, Eier, Fleisch, Fisch, Nüsse, Kerne, Oele und Fette, sowie Honig und Zucker.
Probeweise glutenfrei essen?

Ohne eindeutige Diagnose ist eine glutenfreie Ernährung nicht empfehlenswert, da die obigen Symptome auch durch andere Erkrankungen verursacht sein können. Gerade diese Woche war schon wieder eine Frau bei mir, die sich aus eigener Initiative heraus glutenfrei ernährt. Ihre Symptome sind dennoch nicht verschwunden, weshalb sie Hilfe in meiner Praxis sucht.

Doch ihre „Diät“ hat Folgen! Durch längere glutenfreie Kost ist es nicht mehr möglich, eine Zöliakie zweifelsfrei zu diagnostizieren. Erst wenn Frau F. wieder Gluten isst und dies einige Monate praktiziert, ist eine Diagnose wieder möglich. Daher raten Ernährungstherapeuten und Ärzte dringend von einer selbst auferlegten Diät ab. Um sicher zu gehen müssen drei Bluttests gemacht werden  und eine Biopsie der Dünndarmschleimhaut Gewissheit bringen. „Allergietests“ helfen bei der Suche nach Zöliakie nicht, insbesondere keine IgG-Tests, denn beispielsweise hat eine WeizenALLERGIE mit Zöliakie nichts zu tun.

Eine weitere Gefahr einer glutenfreien Ernährung ohne Zöliakie besteht darin, dass Menschen sich in eine Orthorexie hineinmanövrieren können. Diese Sucht nach der „richtigen“ Ernährung führt nicht selten zu einem veränderten Essverhalten, dessen Folge auch Fehl- und Mangelernährungszustände zur Folge haben können. Da nämlich viele Produkte die Aufschrift „kann Spuren von Gluten enthalten“ haben, wird nicht nur auf Brot und Pizza verzichtet, sondern schleichend und fast unbemerkt, auf Dinge verzichtet, in denen überhaupt kein Gluten enthalten ist.  In der Lebensmittelkennzeichnung gibt es momentan zwei Trends, die den Konsum der eigenen Produkte ankurbeln oder das eigene Unternehmen schützen soll:

1. Werbung mit der Aufschrift „Kann Spuren enthalten“. Hier sichert sich der Produzent gegen Regressansprüche ab und suggeriert besondere Sorgfalt bei der Deklaration potenziell allergen wirkenden Substanzen. Gluten hat beispielsweise eine Kennzeichnungspflicht. Kann der Hersteller nicht zweifelsfrei belegen, dass sein Produkt KEIN Gluten enthält, greifen viele zu dieser Aufschrift, um sich selbst zu schützen.

2. Werbung mit der Aufschrift „Gluten frei“. Hier versuchen sich Produzenten häufig einen Marktvorteil zu verschaffen, indem sie bei Produkten, die von Natur aus sogar frei von Gluten sind, es extra benennen. Das ist zwar eine Verbrauchertäuschung und nicht erlaubt, doch viele tun es trotzdem, denn bis eine Klage durch ist, hat sich diese Fehlinformation häufig bereits gelohnt. Die Absatzzahlen lohnen, denn die modernen „Feinde“ sind mittlerweile zahlreiche Lebensmittelinhaltsstoffe….

3. Glutenfreie Produkte sind en vogue. In den letzten 4-5 Jahren ist ein regelrechter Boom zu verzeichnen. Produzenten von glutenfreien Waren profitieren von der „Angst vor Gluten“. Dass in vielen Produkten zum Ersatz von Gluten manchmal sehr viel Fett verwendet wird, scheint den Konsumenten dabei nicht zu stören. Und die Produzenten freut es. Egal ob REWE, Edeka und Co. Es gibt fast keinen Supermarkt mehr, in dem nicht auch glutenfreie Produkte verkauft werden. Was früher nur über Spezialhersteller zu bekommen war oder in speziellen Geschäften, ist jetzt für jedermann kaufbar – egal ob nötig, oder nicht nötig.

Für Klienten:

> Sollten Sie sich nicht sicher sein, auf welche Lebensmittel Sie mit Unverträglichkeiten reagieren, oder ob vielleicht etwas anderes dahinter steckt (z.B. Medikamentennebenwirkungen) so kontaktieren Sie lieber eine Ernährungstherapeutin, bevor Sie eine selbst auferlegten Diät verfolgen.

Für Berater:

> Um diesen Klienten gerecht zu werden, gibt es von prof.eat jetzt Sonderprodukte. Sprechen Sie uns an.

 

http://www1.wdr.de/fernsehen/ratgeber/markt/sendungen/scanner-gluten100.html

http://www1.wdr.de/fernsehen/wissen/quarks/sendungen/uebersichtunvertraeglich100.html