Warum Kalorien zählen nichts nützt

8. August 2020

Liebe Ka. Dieser Blogbeitrag ist für Dich und all die vielen und immer mehr werdenden jungen Frauen, die versuchen, über Kalorienzähl APPS, oder Nährstoffanalyse-Checks ihr Ess- und Ernährungsverhalten „in den Griff“ zu kriegen.

Kontrolle: Wir haben alle während und durch Corona ein Teil unseres sicheren Lebens verloren. Vieles ist unberechenbar geworden, das Leben scheint aus den Fugen geraten und die Kontrolle abhanden gekommen zu sein. Was liegt da für Viele näher, als sich diese Kontrolle zurückzuholen über die Kontrolle des Körpers, des Gewichts, des Essens. Ich verstehe das, doch ist das der Weg aus einer Unsicherheit und Angst wieder in Sicherheit zu kommen? Ist Kalorien zählen dafür wirklich ein gangbarer Weg? Ich meine nicht und das möchte ich Dir mit ein paar Aspekten hier erläutern.

7 Gründe, warum Kalorien zählen nichts nützt:

1 Zerstörung der Körperwahrnehmung

Was meinst du: Wie haben es Menschen geschafft Maß zu halten, ohne ernährungswissenschaftliche Kenntnisse und ohne Kalorienzähl-Apps? Richtig! Einzig und allein mit ihren Körpersignalen. Wann habe ich Hunger, wann nicht?
Was passiert, wenn wir uns weg von diesen Signalen, immermehr hin zu einer „Außenkontrolle“ begeben? Richtig! Die Fähigkeit auf meinen Körper zu hören, nimmt immer mehr ab und damit auch die SelbstKONTROLLE. Kontrollwunsch und Sicherheit schlägt mehr und mehr um in Abhängigkeit und Unsicherheit. Das kann soweit gehen, bis die eigene Körperwahrnehmung zerstört ist. Und damit steigt die Unsicherheit und die Angst vor Kontrollverlust immer mehr…..

2. Unser Körper berechnet keine Kalorien

Unser ganz natürlicher Grundumsatz und Kalorienbedarf unter Alltagsbedingungen, sowie unseren Bewegungsbedarf schwankt ganz natürlich um mehrere hundert oder sogar mehr Kalorien pro Tag. Eine genaue Berechnung ist somit überhaupt nicht möglich und von unserem Körper als Kontrollinstanz überhaupt nicht vorgesehen. Der Körper ist viel klüger, als eine starre Durchschnittszahl zu ermitteln. Er schickt Hungersignale, die anzeigen, wenn ein Energiedefizit entsteht und fordert uns damit zum Essen auf. Mehr braucht es nicht, mehr als eine Registrierung unseres „Tankanzeigers“ benötigen wir Menschen nicht, um auf Energiemangel zu reagieren. Vertrauen wir dem Kalorien zählen können wir uns gnadenlos über- oder unterschätzen. Die Trefferquote von Formeln zur Berechnung des tatsächlichen Bedarfs liegen bei 20%!!!
Sieht so eine gute Kontrolle aus?

3. Unser Magen rechnet keine Kalorien aus

Vielleicht hast du es schon bemerkt: Viel Salat und Grünzeug mit ohne nichts füllen zwar den Magen gnadenlos, doch satt machen – Fehlanzeige und das aus guten Grund: Unser Magen registriert zwar auch Volumen, aber auch Sattmacher und wenn wir davon wenig zu uns nehmen, dann reagiert er eben wieder mit Hunger. Sprich: Wer nur auf Kalorien achtet, aber nicht auf Sättigung, wird immer und immer wieder mit Hunger zum Essen aufgefordert, denn der Körper zeigt, wo es lang geht, nicht eine Kalorien-Zähl App. Sieht so eine gute Körperkontrolle aus? Sich abhängig machen, von einer Pseudosicherheit?

4. EIN Apfel ist nicht DEIN Apfel

Wie sind Datenbanken über Lebensmittel entstanden? Man hat den Nährstoffgehalt von Lebensmitteln untersucht und dann einen Durchschnitt ermittelt. Diese Durchschnittswerte hat man dann in Datenbanken eingespeist. Doch kannst du sicher sein, dass die Zahl aus der Datenbank, deinem Apfel, den du gerade berechnen willst entspricht? Was, wenn er einen geringeren Wassergehalt hat? Was, wenn er mehr Zucker produziert hat?
Zahlen erweisen sich als Irrweg, wenn es um präzise, konkrete und 100% verlässliche Fakten menschlichen Tun und Handelns handelt. Wir sind keine Maschinen und Lebensmittel auch nicht. Daher ist Perfektion, Präzision und Zahlengläubigkeit fehl am Platz. Was statt dessen hilft, ist die Einschätzung – die Einordnung zu Lebensmittelgruppen und die Kopplung mit den eigenen momentanen Körpersignalen….
Mehr „Sicherheit“ und Präzision benötigen Menschen nicht um kluge Essentscheidungen zu treffen. Wie du diese Kontrolle erlernst, das hast du in deiner individuellen Ernährungstherapie erfahren.

5. Kontrolle erreichst du nicht über Kalorien zählen

Wer Angst hat vor Kontrollverlust, der benötigt was, um sich besser zu fühlen? SICHERHEIT! Kontrolle ist aber nur ein WEG in Sicherheit zu kommen. Es gibt aber viel effektivere Wege: Sich mit seiner ANGST und SICHERHEITSBEDÜRFNIS auseinander zu setzen. So haben es Menschen seit der Steinzeit getan. Wenn Sie Angst vor einem Mammut hatten, dann haben sie nicht die Angst besiegt, sondern haben mit der Angst entschieden, ob sie angreifen und das Mammut töten, oder ob sie vor lauter Angst wegrennen. Für den ersten Weg haben sie sich entschieden, wenn sie MUT hatten und an sich glaubten, dass sie es schaffen, das Mammut zu besiegen. Für den 2. Weg entschieden sie sich, wenn sie sich nicht trauten anzugreifen, aber wussten, sie können SCHNELL weglaufen. Viele Menschen, die heute SICHERHEIT suchen, wählen aber weder den Angriff, noch das Weglaufen, sondern sie bleiben STEHEN und fangen an die Kontrolle über ihre Angst und Unsicherheit durch Kalorien zählen und Bezähmung des eigenen Körpers zu erlangen. Merkst du, wie gefährlich dieser Weg ist? Psychologische Ernährungstherapie kann dir helfen, genau diesen Irrtum zu erkennen und entweder a.) viel mutiger mit DEINEN Mammuts zu kämpfen, oder b.) wirklich wegzulaufen und dich in Sicherheit zu bringen. Kalorien zählen lenkt ab – vom Mammut, besiegt ihn aber nicht 🙂 Denk mal darüber nach.

6. Kalorien sind nicht das Problem

Wer Kalorien zählt, ist verunsichert? Werde ich geliebt, wie ich bin? Mache ich alles „Richtig“? Es sind Menschen, die sich in schwarz/weiß, richtig/falsch, gesund/ungesund, sprich in den Extremen sicher fühlen. Das Grundproblem ist aber, dass sie sich bereits VOR dem Kalorien rechnen abhängig machten von ANDEREN, deren Meinung, Urteil. Sie waren es häufig gewohnt Verantwortung abzugeben und ANDERE über das was „richtig“ oder „falsch“ ist, entscheiden zu lassen. Doch so ein richtig/falsch gibt es genauso wenig, wie ein gesund/ungesund. Sprich: Es muss mühsam gelernt werden, sich selbst zu befragen, sich selbst als Entscheidungsinstanz wichtig zu nehmen, wieder Verantwortung für EIGENE Entscheidungen zu treffen. Was möchte ICH? Was tut MIR gut? Was finde ich GUT und RICHTIG? Und ICH bin verantwortlich für meine Essentscheidungen, für MEIN MASS, für MEIN Satt sein, für MEIN genug haben, für MEINEN Hunger und für MEINE Auswahl zwischen tausenden Möglichkeiten, niemand sonst….Das Problem sind nicht die Kalorien, sondern das grundsätzliche MISStrauen in die eigene Entscheidungsfähigkeit.

7. Kalorien zählen hilft nicht beim MASS halten

„Tu dies nicht, tu jenes nicht! Das ist nicht gut für dich, jenes nicht! Ich habe es dir ja gleich gesagt! Ich weiß besser was für Dich gut ist. Das ist gesund, das ungesund! Das was du spürst, du willst, du brauchst, sehe ich nicht, höre ich nicht, fühle ich nicht….“
Menschen suchen Orientierung, Halt, Sicherheit. Und diese Sicherheit geht mehr und mehr verloren. Nichts ist mehr sicher, weder ein Arbeitsplatz, noch dass man einen tollen Partner findet, noch dass man gesund bleibt. Doch so war das Leben immer. Früher in der Steinzeit und in den Kriegen noch mehr als heute. Sicherheit in der Unsicherheit zu finden, das konnten Menschen früher aber wohl besser, als heute in einer Zeit, in der es keine ernsthaften Sorgen, Krisen mehr gibt und die Verwöhnungsfalle zuschnappt. Mir steht alles zu, ohne Risiko? Und gerade in dieser risikoarmen Zeit sehnen sich Menschen nach ultimativer gut/richtig/gesund Orientierung? Was läuft schief?

Ich denke, Menschen haben das „rechte Maß“, „die Mäßigung“, das erspüren derselben eingebüßt, weil sie das Spüren des eigenen ICH´s, der eigenen Wünsche, Bedürfnisse, Gefühle mehr und mehr einbüßen und statt dessen „Leistungserbringer“, „Funktionierer“, „Gehorsame Arbeitstiere“ werden…..Wer wundert sich, dann über die Extreme, wenn die eigene, ganz leise innere Stimme permanent überhört wird?

Ernährungspychologische Ernährungstherapie hilft, der eigenen Stimme, dem eigenen „Bauchgefühl“, der eigenen Intension wieder mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Kalorien zählen sind kein Dauerweg – es gibt einen anderen Weg zum eigenen ESS-weg. Der geht aber nur über´s eigene Spüren….Bist du bereit?