Überarbeitete Regeln der DGE

21. November 2013

DGE_Kreis2Ich kann mich noch genau an die Veranstaltung Anfang der 90ger Jahre erinnern, als so etwa 40 Frauen in einem Raum saßen und von mir mehr über „gesunde Ernährung und Wohlergehen“ wissen wollten. Bereits damals wusste ich aus meiner Beratungsarbeit, dass Essen mitnichten dasselbe ist, wie Ernährung und dass es DIE Gesundheit und DIE gesunde Ernährung gar nicht geben kann, weil Menschen verschieden sind und die Menschheit wohl kaum hätte überleben können, wenn es eine einzige „richtige Ernährung“  für Menschen geben würde. Bereits damals stand ich mit dem allumfassenden Gesundheitsbegriff, der an Hybris grenzt, auf Kriegsfuß und vertrat die Meinung, dass zwar Krankheiten der Medizin gehören können,  aber Gesundheit noch immer ein Empfinden der jeweiligen Einzelmenschen darstellt und weder so mir nichts dir nichts definierbar ist („Health is a state of complete physical, mental and social well-being and not merely the absence of disease or infirmity.“) und mitnichten durch „richtiges Verhalten“„herstellbar“.

Und bereits damals empfand ich die 10 REGELN der DGE alles andere als hilfreich, weil die Menschen zwar mit Regeln gefüttert wurden, aber sich niemand darum zu kümmern schien, ob diese Regeln auch „verdaulich“ und „schmackhaft“ sättigten, sprich, ob die Menschen auch das bekamen, was sie tatsächlich benötigten, um zu tun, was man von ihnen erwartete.

Bevor ich folglich ANTWORTEN gab, sie informierte, aufklärte, Lücken schloss, stellte ich den Damen FRAGEN, um sie besser kennen zu lernen und um zu verstehen, was sie denn von mir benötigten, um dem Thema „persönliches Wohlergehen“ ein Stück näher zu kommen.

Fragen stellen, statt Antworten oder gar Regeln verkünden

Was bedeutet für Sie „vollwertig“, „gesund“, „abwechslungsreich“, „vielfältig“, „ausgewogen“, stellte ich nacheinander Fragen, um die Menschen dort abzuholen, wo sie standen und siehe da:  Man war sich nur einig über eine einzige Sache: Jede Frau verstand unter jedem Begriff etwas anderes.  Und jetzt?  20 Jahre später, finden wir dieselben Worte noch immer, ergänzt mit weiteren Worten: „angemessene Menge“, „nährstoffreich“, „energiearm“ und „nachhaltige Ernährungsweise.“ Und aus der Forschung wissen wir. Gesundheit wurde nicht hergestellt, die Zivilisationskrankheiten sind weiterhin nicht eingedämmt und trotz einer unfassbaren Informationsflut über DIE Ernährung ist beim Einzelmensch so gut wie nichts angekommen.

Informieren ist nicht gleich Tun

Bereits während meines Studiums war klar, dass sagen nicht gleichzusetzen ist mit zuhören, verstehen nicht dasselbe wie einverstanden sein oder gar tun bedeutet und selbst ein befolgen niemals ein beibehalten beinhaltet. Der Weg vom Wissen zum Wollen und vom Wollen zum Tun und vom Tun zum Beibehalten ist unendlich weit und doch glauben heutzutage die Mächtigen dieser Welt noch an die Macht der Information und predigen genauso, wie vor 20 Jahren ihre Botschaften, die zwar gehört werden, aber keinesfalls verstanden.

Die Sprache zwingt Menschen zum miteinander sprechen

Für Ludwig Wittgenstein ist Sprache nicht einfach Mittel zum Zweck der Verständigung. Sprache ist für ihn ein Existenzial: Denn was wir für die Welt halten, unsere Aufgabe, an der wir uns täglich abarbeiten, unser Leben, die Sorge  – nichts davon ist einfach nur das, was es ist. Nichts ist für sich faktisch gegeben. Erst mit den Namen, die wir den Dingen geben, den Begriffen, mit denen wir sie zu fassen suchen, und den Bedeutungen, die wir ihnen zuweisen, erzeugen wir einen Wirrwarr von „Wahrheiten“, die uns Realität mehr vorgaukeln als erschließen. Man meint zu denken und zu verstehen, doch im Gespräch stellt man nicht selten fest, dass es kein Wort gibt, welches eine einzige unumstößliche Wahrheit in sich birgt. Wittgenstein spricht von der ‚Verhexung unseres Verstandes durch die Mittel der Sprache‘. Wir reden so unendlich viel und gleichzeitig wissen wir so unendlich wenig darüber, was sich in den Worten so alles verbirgt und was wir damit tun oder eben nicht.

Wir haben die Sprache nicht, um Monologe zu führen oder Regeln zu verkünden, sondern Menschen haben die Sprache, um sich MITeinander zu unterhalten um sich zu verständigen und irgendwann wirklich zu verstehen.

Fazit 1. Diese Begriffe, die die DGE benutzt, waren vor 20 Jahren  nicht verständlich und sind es heute noch immer nicht. Wieso lernen denn diejenigen nicht dazu, die noch immer glauben, dass man auf diese Weise lernen kann? Wenn die DGE glaubt auf diese Weise verstanden zu werden, weshalb erkennen sie dann nicht, dass die Wissenschaft ihnen schon längst bewiesen hat, dass sie nicht verstanden werden? Vielleicht, weil sie selbst einem Irrtum aufsitzen, nämlich dass Worte sprechen genügt, um verstanden zu werden?

Fakt ist: Auch heute noch verstehen Menschen nicht, was denn genau diese ganzen Begriffe, die den Rahmen der 10 Regeln bilden, in ihrem ganz persönlichen, alltäglichen Leben bedeuten soll. Und wer nicht verstanden hat, worum es geht, kann es auch nicht umsetzen.  Seit der Antike wissen wir: Wir lernen nur, was wir schon kennen.

 Regeln – Empfehlungen na was denn nun?

Das Wort Regel taucht als lateinisches regula, regile um das 9. Jahrhundert im Althochdeutschen auf (aus lat. regula = Maßstab, Richtschnur). Sie werden aus Erfahrungen und Erkenntnissen gewonnen, was erklärt, dass Regelwerke sehr eng mit den Menschen verknüpft sind, die sie befolgen. Regeln sind eine Art Gesetzeswerk, eine Verhaltensvorschrift. Nur, woher nimmt die DGE eigentlich ihr Selbstverständnis allgemeingültige Verhaltensvorschriften für die Ernährung von Menschen herauszugeben? Und was geschieht, wenn Menschen sich nicht an diese Regeln halten?

Ein anderes Wort was häufig verwendet wird, ist das Wort Ernährungs-Empfehlung. Dabei handelt es sich um eine Handlung, die darin besteht, anderen einen Vorschlag zu machen, etwas Bestimmtes zu tun, oder zu unterlassen (recommendation). So geschieht es in der Schweiz. In Österreich spricht man unter dem Begriff der Empfehlung gleich von der „richtigen“ Ernährung und das ganze mit meinem Modell. MORALPREDIGTEN mit meinem didaktischen Modell? Unglaublich!

Na was denn nun? Haben wir jetzt mit Gesetzen, Regeln,  moralischen Geboten, die die Welt in „Richtig und falsch/gesund/ungesund“ einteilen zu tun? Wählen Sie und andere Wortlaute deuten darauf hin. Wären es Empfehlungen, so wären die Formulierungen bescheidener formuliert.
Viele Fragen, bislang sehr wenige Antworten, auch nicht bei den neu überarbeiteten 10-REGELN der DGE.

Was mich nicht verwundert: Dass in all diesen Unklarheiten und Oberflächlichkeiten, in diesen Vermengungen, der Mensch trotzdem isst, was er eben isst, gerade WEIL er sich nicht ernährt (Tiere ERNÄHREN sich), sondern noch immer isst und zwar nicht nach REGELN, sondern tief verwurzelt in traditionelle, kulturelle. und persönlich soziale, emotionale und geschichtliche Zusammenhänge eingebettet, denn genau das hat der Menschheit geholfen so viele Jahrtausende zu überleben.

Auf der Basis aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse?

Man muss wirklich kein brillanter Ernährungswissenschaftler sein, um auf einen Schlag hunderte von Forschungsarbeiten zu finden, die sich sehr kritisch mit der „vollwertigen Ernährungsweise“ auseinandersetzt.
Kohlenhydrate stehen ebenso auf dem Prüfstand, wie die Theorie, dass Fett fett macht.  Da gibt es erschreckende Daten über die Fettleber die in Zusammenhang mit einem hohen Kohlenhydratverzehr stehen, ebenso wie Untersuchungen zum Thema gesättigte Fettsäuren die Mär von den guten und bösen Fetten doch sehr auf den Prüfstand stellen. Und weißes Geflügelfleisch soll gesünder sein als Rind und Co.?

Beim Statement zu Ballaststoffen, die vor einigen „ernährungsbedingten Krankheiten“ schützen sollen, denke ich unweigerlich an einige meiner Patienten, die von Ballaststoffbomben erst so richtig krank wurden.

http://www.dge.de/pdf/10-Regeln-der-DGE.pdf

http://www.dge.de/modules.php?name=Content&pa=showpage&pid=15

Fazit 2: Es ist für mich unverständlich wie es sein kann, dass von einer Überarbeitung der Regeln gesprochen wird und wie wenig tatsächlich überarbeitet wurde.

 

Worthülsen genügen?

Diese neue Überarbeitung soll unter dem Aspekt „Nachhaltigkeit“  erfolgt sein und Menschen helfen „genussvoll“  und „gesund erhaltend“ zu essen?

Um das Thema „Genuss“ auch nur annähernd zu erfassen benötige ich einen Seminarrahmen, der zwischen 2,5 bis 8 Unterrichtseinheiten liegt. Und wer mich kennt, der weiß, dass ich sehr schnell zum Punkt komme, ohne Gründlichkeit vermissen zu lassen. Für die DGE ist das Thema Genuss mit folgendem Satz offenbar ausreichend erschlossen: „Lebensmittelvielfalt genießen“ und „ Sich Zeit nehmen und genießen. Gönnen Sie sich eine Pause für Ihre Mahlzeiten und essen Sie nicht nebenbei. Lassen Sie sich Zeit, das fördert Ihr Sättigungsempfinden.“

Und zum Thema Sättigungsempfinden? Was ist, wenn das Gros der Menschheit nicht die blasseste Ahnung davon hat, was „Sättigungsempfinden“ bedeuten soll?  Empfinden, bedeutet empfinden, also spüren, wahrnehmen, als solches erkennen. Dann frage ich doch mal die DGE: „Was empfindet ein Mensch denn ganz genau, wenn er Sättigung empfindet?“ Gerne lese ich dazu die aktuellen wissenschaftlichen Studien, sollten sie denn mittlerweile vorhanden sein.

Fazit 3: Es gibt mittlerweile eine große Anzahl sehr kompetenter Beraterinnen, die Sie bei der UMSETZUNG und verWIRKlichung ihrer eigenen Ernährungsweise unterstützen können. Gerne nenne ich Ihnen KollegInnen in Ihrer Region, der Sie sich anvertrauen und der Sie vertrauen können.

Wer mehr zum Thema Körperwahrnehmung lesen möchte, und über gängige Tellerränder blicken möchte, wer sich selbst besser kennen lernen möchte, der wird auch bei mir fündig:

  1. Seminar für Experten:  https://www.gleichgewicht4you.de/events/event/spuren-was-isst-arbeit-mit-der-korperwahrnehmung/
  2. Seminar für Menschen in der Ernährungsprävention: https://www.gleichgewicht4you.de/events/event/ernahrungspravention-statt-predigen-beteiligen/
  3. Buch:  http://www.amazon.de/product-reviews/B0087FJWIG/ref=dp_top_cm_cr_acr_txt?ie=UTF8&showViewpoints=1
  4. Andere Bücher: https://www.gleichgewicht4you.de/service/medien-bucher/
  5. Visualisierung geht heute anders. Die ganze Welt hat mittlerweile die Effektivität vom didaktischen Modell erkannt: https://www.gleichgewicht4you.de/didaktisches-ernahrungsmodell-2/