Sich selbst erkennen – (R)AUSweg aus der Bulimie

27. April 2016

TeamentwicklungVon Platon ist der Satz: „Die erste aller Wissenschaften ist es, sich selbst verstehen.“ Und genau darum geht es in der professionellen Ernährungstherapie. Nicht um Wissen dreht es sich, denn Google kann das besser als wir. Es geht um pädagogische Begleitung und Selbsterkenntnis.

Warum esse ich so und nicht anders?

Weshalb fällt es mir so schwer umzusetzen, was ich längst weiß?

Wozu halte ich an sichtbar selbstschädigendem Verhalten fest?

 

Zu glauben, dass Mensch ein animal rationale sei, ein rationales Wesen, der irrt! Menschen handeln nicht rational, sondern ganzheitlich. Menschen handeln nicht unvernünftig, sondern in der größten Unvernunft höchst sinnvoll. Am ehesten wird das klar, wenn wir uns einmal anschauen, was passiert, wenn jemand erkennt, wozu er tut, was er tut und dann nicht rationale Veränderungen anstrebt, sondern ganzheitliche.

Heute war Alexandra bei mir, zum zweiten mal erst, aber mit grandiosen Neuigkeiten. Ihre Essatacken sind so gut wie verschwunden und auch sonst hat sie ihr Ziel, wieder „normal“ essen zu können erreicht. Nach nur 60 Minuten Beratungszeit. Wie ist das möglich? Nicht Aufklärung über gesunde Ernährung wurde betrieben, oder Wissensvermittlung über die gesunde Lebensmittelauswahl, auch kein Belehren, was denn gut und richtig wäre, sondern Alexandra als GANZER Mensch wurde ins Zentrum der Beratung gestellt.

Mit Hilfe von prof.eat Tools haben wir uns ihren Alltag ganz genau angeschaut. Sie hat mich quasi zu sich nach Hause und zu sich zu Ihrem Essen mitgenommen. Wir haben gemeinsam vergegenwärtigt, was da is(s)t…und da – es fiel Alexandra mit einem Mal ganz leicht zu erkennen, wozu sie so isst, wie sie isst. Sie verstand plötzlich ihre Essatacken und was sich unsichtbar dahinter verborgen hat. Dieses sich selbst erkennen führte innerhalb ganz kurzer Zeit dazu, dass sie selbst, ganz ohne fremde Hilfe, während der Beratung ihre eigenen bisher nicht gedachten Lösungen fand. Plötzlich ging alles so leicht! Und schon IN der ersten Stunde schaffte Sie es, sich ihre eigenen (R)AUSwege zu entwickeln.

Ich konnte schon erkennen, dass sich in der ersten Stunde einige Denkknoten lösten und Alexandra ein Tiefenverständnis entwickelte, sich selbst und ihr Handeln oder nicht tun, besser zu verstehen. Doch nie hätte ich gedacht, dass diese eine Stunde so viel bewirkte.

Heute nach nur 3 Wochen seit dem ersten Termin, hat mich Alex mit komplett überrascht. Wir waren uns in der Stunde einig, dass kein weiterer Termin momentan nötig ist, sondern sie selbst vielmehr ihr eigener guter Berater geworden ist. Und – diese Zeilen habe ich eben auch noch erhalten….

 

„Hallo Sonja,

mir gehen nun doch noch einige Dinge durch den Kopf. Ich war selbst so freudig überrascht, dass das alles war und es so einfach gewesen ist. Ich wollte Dir danken, dass du mir den letzten Anschub zu mir Selbst gegeben hast.

Mir wird nun auch so einiges klar und zwar, dass ich ganz alleine die Bulimie bekämpft habe.

Vor ein paar Wochen war es wirklich noch so, dass wenn ich unter Stress stand und mich einsam und allein fühlte alles in mich hinein geschlungen habe und das 2 bis 3 mal jeden Tag.

Mein Mann hat mir sehr viel Kraft gegeben und war für mich da, auch wenn er nicht helfen konnte hatte ich zumindest jemanden der mich in die Arme nahm und mir Mut machte.

Nun weiß ich, dass ich nicht mehr alleine bin und das keiner von uns, denn man tut sich selbst das großartigste und wundervollste Geschenk auf Erden, wenn man auf seinen Körper und Gefühle hört und aus den eigenen vermeintlichen „Fehlern“ lernt und das Positive darin verborgen sieht.

Man findet zu sich selbst.

DANKE!

Noch eine Frage wie bist Du zu dem Beruf gekommen und wie erlernt man den?“

 

Ich habe Alex gesagt, wie man Ernährungstherapeutin wird. Nicht, indem man Ernährung „studiert“, nicht indem man Menschen sagt, was für sie gut ist, was gesunde Ernährung ist und was „richtig“ ist. Nicht, indem wir uns als Besserwisser aufspielen und auch nicht in dem wir Ratschläge erteilen, Listen verteilen und Tipps geben.

NEIN – man wird Ernährungstherapeutin, in dem man eine fundierte Ausbildung macht (ich studierte Ernährungswissenschaft) und danach so schnell wie möglich den Menschen als ganzheitliches, soziales und emotionales Wesen verstehen lernt und sein Essen als Zugangsweg zu einer ganz besonderen Lebensbewältigung erkennt. Ernährungstherapeutin wird man dann, wenn man Menschen zuhört und verstehen will, was sich „hinter den Esskulissen“ so alles verbirgt. Sprich – Ernährungstherapeutin wird man, wenn man MENSCHEN und ESSEN liebt 🙂