Neue DEGS-Studie veröffentlicht

26. August 2012


„Das was wir heute vorstellen, ist nur die Spitze des Eisbergs“, sagte Bärbel-Maria Kurth, Leiterin der Abteilung für Epidemiologie und Gesundheitsberichterstattung am RKI.

Die aktuelle DEGS-Studie (1) des Robert Koch Instituts, die Daten zum Gesundheitszustand und zu chronischen Erkrankungen erfasste, bringt es an den Tag. Übergewicht, Diabetes und Burnout/Depressionen sind weiterhin auf dem Vormarsch.

Ein paar bemerkenswerte Daten bringt die Studie zu Tage.

1. Das Ausmaß an Übergewicht nimmt zu (2)
2. Von 1998 bis heute haben insbesondere Männer an Pfunden zugelegt (2)
3. Nach dieser Studie ziehen jetzt adipöse Frauen und Männer mit knapp 23% gleich (2)
4. Auch bei Diabetes haben Männer kräftig zugelegt (3)
5. Die Zunahme ist beträchtlich und beträgt zwischen den Daten 1998 und heute 24% (3)
6. Einmal wöchentlich Sport treiben heute mehr Erwachsene, als in der Befragung 1998 (4)
7. Depressionen haben insbesondere bei den 19-29 jährigen zugenommen und scheint mit einem niedrigen
sozio-ökonomischen Status zu korrelieren (5)
8. Burnout ist am häufigsten in der Altersklasse 50-59 Jahre und ist häufiger in Kreisen mit einem hohen
ökonomischen Status (5) (Nicht verwunderlich, wenn man sieht was in der Gesellschaft momentan los ist.
Zufriedenheit sieht anders aus)
9. Frauen sind von beiden Phänomenen deutlich häufiger betroffen, als Männer (5)

Hinter die Kulissen gefragt

Diese Studie wirft viele Fragen auf. Die Forscher stellen zwar eine Steigerung der obigen Erkrankungen fest, doch bezeichnen sich fast 80% der Studienteilnehmer ihren aktuellen Gesundheitszustand als sehr gut oder gut! Gesund SEIN ist doch dann folglich nicht dasselbe wie „sich gesund FÜHLEN“, oder?

Ziel dieser Studie ist es, nicht nur Daten zu erheben, sondern durch weitergehende wissenschaftliche Studien Ansätze für die Prävention zu finden, nur: Wie soll jemand gesund gemacht/gehalten werden, der sich nicht krank fühlt?

Bisherige Präventionsmaßnahmen (Kampagnen, gegen Diabetes, Übergewicht, Entspannungsangebote, Aufklärungsmaßnahmen zum Thema gesunde Ernährung und Bewegung) scheinen doch bereits heute gescheitert zu sein. Zumindest fehlen Publikationen zu derartigen Erfolgsmeldungen gänzlich, im Gegenteil: Alles scheint ja weiterhin schlimmer zu werden.

Und zeigen diese neuen Daten nicht auch Folgendes: Die BEHANDLUNG von Adipösen und Übergewichtigen, von Menschen mit Diabetes Typ 2, sowie für Menschen mit Burnout und Depressionen scheinen noch immer völlig unzureichend zu sein. Mir beispielsweise wird sage und schreibe ein Zeitrahmen von 2,5 ZEITSTUNDEN zur Verfügung gestellt, um einen adipösen Menschen, oder einen Menschen mit Diabetes Mellitus „auf den rechten Weg zu bringen.“ Oder es wird von mir verlangt, Kurse für diese Menschen abzuhalten, die keinerlei Rücksicht auf Individualität und individuellen Lebensstil haben. Daher: Wir verzichten auf das „Sponsoring“ unserer Dienstleistungen durch den Staat oder die Kostenträger und arbeiten mit Ihnen so, wie es Ihnen und Ihrem Wohle guttut.

Auch wird hier einmal mehr, etwas ganz Entscheidendes, trotz ganzer Fluten an Datensammlungen, übersehen. Krankheit ist etwas gänzlich anderes als subjektiv empfundene Gesundheit und dies ist wiederum nicht zu vergleichen mit einer subjektiv empfundenen Lebens-Zufriedenheit, die einmal mehr NICHT erfasst wurde. Doch genau das ist es doch, worum es den Menschen geht. Gesundheit per se, war, ist und wird in abesehbarer Zeit, kein anstrebbares Gut werden. Daher kümmern wir uns nicht um die faktische Gesundheit, sondern um Ihr Wohl und Ihre Lebens-Lust, wie es M. Lütz in seinem gleichnamigen Buch einmal treffend ausdrückte.

So lange bis die nächsten Daten veröffentlicht werden, machen wir derweil unsere Arbeit in diesem Sinne weiter und kümmern uns um diejenigen Menschen, die ganz freiwillig etwas für ihr eigenes Wohl und ihre eigene Lebenszufriedenheit tun möchten. Ob dadurch subjektiv empfundene Gesundheit dann in objektiv messbare Gesundheit umschlägt, ob wissenschaftliche chronische Krankheit dadurch abgemindert oder gar behoben wird, das ist für uns zunächst einmal sekundär. Ich wage aber zu behaupten, dass das dieses von hinten aufgezäumte Pferd zumindest Erfolg versprechender ist, als Präventionsmaßnahmen, welche die Wünsche, Bedürfnisse, die subjektiven Empfindungen und die gangbaren Wege zu mehr Lebenszufriedenheit und Lebenslust gänzlich außer Acht lassen. Bei mir sind Sie richtig, wenn Sie etwas für sich tun WOLLEN, nicht, wenn Sie etwas tun SOLLEN, wenn Sie wissen, was ich damit meine.

Bis zum nächsten Mal mit einem mitmenschlichen Gruß
Ihre Sonja M. Mannhardt

Quellen:
(1)

(2)
http://www.spiegel.de/fotostrecke/gesundheitsstudie-deutschland-degs-so-gesund-leben-die-deutschen-fotostrecke-83633.html
(3) http://www.spiegel.de/fotostrecke/gesundheitsstudie-deutschland-degs-so-gesund-leben-die-deutschen-fotostrecke-83633-2.html
(4) http://www.spiegel.de/fotostrecke/gesundheitsstudie-deutschland-degs-so-gesund-leben-die-deutschen-fotostrecke-83633-3.html
(5) http://www.spiegel.de/fotostrecke/gesundheitsstudie-deutschland-degs-so-gesund-leben-die-deutschen-fotostrecke-83633-4.html