IgG Tests – Irrsinn und Unsinn

1. Juni 2016

IgG

Mit einem riesigen Zettel sitzen Mutter und Sohn vor mir in der Beratung. Schön bunt ist der Zettel und säuberlich untergliedert in „rote“, „gelbe“ und „grüne“ Lebensmittel. Die roten und gelben sollen tunlichst vermieden werden, so die Empfehlung der Firma, der diese Tests verkauft. Über 100 Euro hat er gekostet und nun sitzen sie bei mir, der Sohn blass, die Mutter frustriert, denn er hat schon einige Kilos wegen seiner Weglassdiät abgenommen und seine Mutter weiß nicht mehr, was sie kochen soll.

Eier soll er nicht mehr essen und Getreide, natürlich keine Milch und Milchprodukte, kein Soja, keine Tomaten, keine Sonnenblumenkerne, keine Mandeln, keine Haselnüsse und noch viele, viele andere Lebensmittel sollen vermieden werden, denn der Sohn leide, laut Test unter mehr als 20 Lebensmittelunverträglichkeiten!

Wirklich?

Natürlich handelt es sich bei IgG-Tests tatsächlich um ein Immunglobulin das tatsächlich gemessen werden kann. Doch bedeutet eine Messung gleichzeitig ein pathologisches, krankhaftes Geschehen? Das zumindest behaupten die Hersteller solcher Tests.

„Sie heißen Allergie-Check, Lebensmittel-Reaktionstest oder Nahrungsmittelunverträglichkeitstest und werden für die Selbstdiagnose auf Nahrungsmittelunverträglichkeiten für zu Hause angeboten – ganz praktisch, „ohne Arzt“. Doch solche Tests widersprechen gleich in mehreren Aspekten dem aktuellen wissenschaftlichen Stand der Medizin und der Ernährungswissenschaft.“

Hier wird ein Riesengeschäft mit Unverträglichkeiten gemacht, auf Kosten von Patienten! So auch bei obigem Jungen.

Natürlich hat er ein atopisches Krankheitsbild, natürlich hat er auch ab und zu Bauchschmerzen, doch leidet er auch an „zahlreichen Lebensmittelunverträglichkeiten“, wie sein Allergie-Check meint? Nach einer einstündigen Anamnese, eines eingehenden Assessments und einer profunden Ernährungsdiagnosik ist klar: Dieser Junge braucht all diese Nahrungsmittel NICHT wegzulassen! Im Gegenteil. Diese strikte Weglassdiät macht ihn erst recht krank! Wir führen, wie es sich für eine professionelle Ernährungstherapie gehört die Lebensmittel wieder ein und führen dann ein akribisches Symptomtagebuch und siehe da: Der Junge reagiert auf KEINES der auf der Liste stehenden Lebensmittel. Er hat KEINE der angeblichen Nahrungsmittelunverträglichkeiten!

 

Womit einmal mehr bewiesen ist: Diese „wunderbaren“ Tests messen lediglich, was der Mensch schon einmal zu sich genommen hat, womit sich sein Immunsystem schon einmal auseinandergesetzt hat und NICHT, was er nicht verträgt. Doch wer will schon per Labortest „bewiesen“ bekommen, dass er schon einmal mit Tomaten in Berührung kam und wer will dafür schon über 100 bis 350 Euro bezahlen?

Ich nenne das nicht nur rausgeschmissenes Geld, sondern Patientenwohl-Gefährdung! Bleibt zu hoffen, dass Patienten auf die Werbebotschaften solcher Firmen nicht mehr reinfallen. Mit diesem Geld kann man sich tatsächlich ein profunde allergologisch-gastroenterologische Diagnostik beim Arzt oder eine ernährungstherapeutische Diagnostik einkaufen! Von Selbstdiagnosen muss an dieser Stelle wieder einmal eindringlich abgeraten werden. Nicht ein Test stellt Diagnosen sondern Experten, die MIT dem Patienten gemeinsam, den Symptomen auf die Spur gehen. OHNE den Dialog zwischen Arzt/Ernährungsfachkraft und Patient ist keine seriöse Diagnose und Symptomanalyse möglich und das wird sich auch im digitalen Zeitalter nicht ändern.

Unsere Empfehlung:

Gleich Termin vereinbaren und mit professionellen Fachkräften auf Spurensuche gehen! Das erspart Ihnen u.U. viel Zusatzleid durch nutzlose Diäten, sondern darüber hinaus auch eine Menge Geld.

 

 

ZDF-Plusminus

Ernährungs-Umschau

IgG Tests – Was misst der Test

Stellungnahme