Familie im Gleichgewicht

Essens-AtmosphäreHeute war es mal wieder soweit. Lena (8 Jahre) und Ihre Mama kamen zum letzten Mal (4 Sitzungen) zur Beratung. Eine weitere Familie ist wieder im GleichGEWICHT was mich sehr freut!

Lena hat in den letzten 3 Monaten 4kg abgenommen und ist 2cm gewachsen. Ihr BMI hat sich enorm verbessert und das Beste: Der Leidensdruck der Mutter sank von 10 auf 4. Der Druck und das „Dauerthema“ Ernährung, Gesundheit und Gewicht hat sich stark reduziert und Lena darf jetzt endlich selbst bestimmen, was und wie viel sie essen mag.

Sie ist ein wirklich guter Chef ihres Bauches und Essens geworden und übernimmt Verantwortung für ihr Tun. Sie fühlt sich endlich wieder wohl in ihrer Haut und nicht mehr so „klein“ gegenüber ihrer großen Schwester, die „ja alles essen darf und sie nichts.“ Sie ist stolz auf das was sie alleine geschafft hat.Ihr Leidensdruck ist gänzlich verschwunden. Lena fühlt sich wieder wohl. Wie ist das möglich in so kurzer Zeit?

Familie im Gleichgewicht – DRUCK rausnehmen

Das Gewicht von Lena ist in der Familie entstanden. Es ist eine Art „Kommunikationsmittel“. Lena isst deutlich zu viel und nascht zwischen den Mahlzeiten. Doch zu verstehen, was sich hinter einem „zu viel“ und einem „Süßigkeiten naschen“ verbirgt, dem ist per Information und Vernunftsappellen nicht beizukommen. Meine Aufgabe war es, den Eltern beim Verstehen zu helfen und sie in ihrer Erziehungskompetenz zu stärken.

Und das hat sehr gut funktioniert. Die Mutter hatte zwei Einzelsitzungen, um zu verstehen, was sich hinter dem Sichtbaren verbirgt und was Sie dazu beitragen kann, damit Lena ihren Weg gehen kann. Zwei Sitzungen waren mit Lena. Sie beschäftigte sich intensiv mit ihren Gefühlen, mit der Hunger- und Sättigungswahrnehmung und setzte sich mit den Mahlzeiten aktiv auseinander und fand IHRE Lösungen selbst.

Ist eine Familie aus dem Gleichgewicht geraten, so gibt es nicht nur einen „Leidenden“ und den anderen geht es gut. In der Regel ist mit einem übergewichtigen Kind, das Gleichgewicht aller Familienangehörigen gestört. Alle leiden irgendwie, niemandem geht es richtig gut und Viele in der Familie tun dasselbe, allerdings mit unterschiedlichen Konsequenzen.

Um Druck herauszunehmen, ist es zunächst einmal wichtig, zu erkennen, wer welche Verantwortung hat und wo überhaupt das Problem liegt.

Wo liegt das Problem?

Ich arbeite seit über 20 Jahren mit Familien im Ungleichgewicht. Häufig finden sich Übergewicht und Untergewicht sogar in derselben Familie und doch – wenn ich frage: „Wo sehen Sie denn das Problem?“, so bekomme ich nur sehr selten die Antwort: „Wir essen nur Junk-Food, ungesunde Lebensmittel und bewegen uns so gut wie gar nicht.“

Es wird zwar stets behauptet, dass Menschen, die ein Gewichtsproblem haben, stets „Das Falsche“ essen und sich „Wenig bewegen“, doch das kann ich nicht bestätigen.

Die Klagen der Familien, die zu mir kommen ist in der Reihenfolge wie folgt:

  • > Mein Kind isst zwischendurch (nascht heimlich)
  • > Mein Kind isst einfach zu viel (Menge bei Tisch)
  • > Mein Kind bewegt sich zu wenig
  • > Mein Kind isst das Falsche

Auf meine Frage: „Und wer nascht noch?“ oder „und wer isst noch zu viel?“kommt stets noch ein anderer Name mit ins Spiel.

Auf meine Frage:“Was bedeutet denn bei Ihnen, das richtige/gesunde essen.“ kommt stets die Antwort: „Wir essen täglich Gemüse oder Salat und Obst und das übergewichtige Kind isst das ja auch. Also falsch oder ungesund geht es bei uns nicht zu.“

Ernährungstherapie ist pädagogische Beratung

Essen ist keine Frage von Wissen oder Wollen und auch nicht mit „Du sollst-Botschaften“ zu regeln. Essen ist traditionell, kulturell und sozial verankert und entzieht sich größtenteils dem Bewusstsein. Wenn wir folglich Familien helfen wollen, ins Gleichgewicht zu kommen, gilt es, zunächst einmal

  • > Verantwortlichkeiten klären
  • > eine genaue Problemanalyse zu machen
  • > jedes Tun und Unterlassen zu „hinterfragen“ um
    „aufzudecken“, was verborgen ist aber dennoch wirkt…

Da Essen UMlernen mit lernen, also mit Pädagogik zu tun hat, kommen wir nicht umhin, Beratung als Prozess zu betrachten, bei dem sowohl die Eltern, als auch das betroffene Kind oder gar in Betrachtung mit den eigenen Geschwistern beraten werden.

Jedem seine Verantwortung

Jegliches TUN hat eine WIRKUNG, wie auch jedes UNTERLASSEN oder NICHT TUN ebenfalls wirkt. Wenn wir uns darüber einig sind, so gilt es zu überlegen, wer denn welche Entscheidung trifft. Wie ist das in Ihrer Familie:

  • > Bei uns entscheiden wir Eltern über das was eingekauft, gekocht wird
  • > Bei uns entscheiden wir Eltern, über die Art der Zubereitung und das Menü.
  • > Bei uns gibt es einen festen Essensrhythmus, der von uns Eltern vorgegeben wird.
  • > Bei uns entscheidet Jeder selbst darüber, WAS er bei Tisch essen möchte.
  • > Bei uns entscheidet Jeder selbst darüber, WIE VIEL er sich bei Tisch nimmt.
  • > Bei Fragen wie:“Mama, darf ich was Süßes haben?“ übernehme ich nicht die Verantwortung und sage Ja, oder Nein, sondern frage erst einmal nach, was sich dahinter verbirgt, dass kurz nach dem Essen wieder „etwas“ gesucht wird…9.Verantwortung beim EssenSollten Sie alle Fragen mit JA beantwortet haben, so ist ihre Familie vermutlich im Gleichgewicht. Sollte sich das ein oder andere Nein eingeschlichen haben und Sie nicht zufrieden sein, mit dem was bei Ihnen zu Hause is(s)t, so warten Sie nicht zu lange, sich professionelle Hilfe zu holen.

    Familie im Gleichgewicht – Das Buch

    Heute wurde ich gefragt, wie man denn das Buch beziehen kann. Ich sagte, ich verkaufe es momentan nur noch an Menschen, die sich beraten lassen, wohl wissend, dass WISSEN noch lange nicht KÖNNEN und KÖNNEN noch lange nicht TUN bedeutet.

    Tipps und Tricks und Ratschläge finden sich nicht in den Büchern, weil Ratschläge eben auch Schläge sind und mit Tipps und Tricks als Methode noch keine Familie ins Gleichgewicht gekommen ist. Das bedeutet aber nicht, dass von Lesern der Bücher nicht allzugerne  „Tipps und Ratschläge“ veröffentlicht werden, so wie hier:

    Tipps und Hilfestellungen – auf dem Link ganz nach unten scrallen

    Sie finden das Buch (das Vorgängerbuch) noch immer auf dem Markt, als gebrauchte Ware zum Schnäppchenpreis. Der Inhalt ist noch immer aktuell und weicht nur unwesenlich vom jetzigen Buch ab, das die Themen „Wie lernen Menschen?“, „Was ist Erziehung“, „Essen zwischen Moral und Ethik“, „Familientisch als Lebensschule“ und noch einige Themen mehr vertieft.

    In jedem Fall  handelt es sich um ein Begleitbuch, das den Prozess der „Familie im Gleichgewicht“ unterstützen möchte und alles „Lesbare“ aus der wichtigen Beratungszeit auslagert. Dieses Arbeitsbuch, welches „über gängige Übergewichts-Tellerränder hinweg blicken hilft“ und sich nicht mit Verallgemeinerungen zufrieden gibt,  sondern sondern den Einzelnen radikal ins Zentrum rückt, stelle ich interessierten Familien als integraler Bestandteil meiner Beratungen gerne zur Verfügung. Ich freue mich auf Ihr Kommen.

  • Beratungen täglich nach Vereinbarungen
  • prof.e.a.t Berater, die auf dieser Grundlage in Ihrer Region beraten, erhalten Sie auf Anfrage.
  • Berater, die an einer prof.e.a.t Fortbildung zum Thema „Übergewicht bei Kindern – Die Herausforderung Familienberatung“, Interesse haben, möchten sich bitte bei mir melden, oder in den Terminen nach entsprechenden Seminaren Ausschau halten.

 

Übergewicht bei Kindern – Jedem seine Verantwortung

adipöseskindSven sitzt mit seiner Mutter in meinem Büro. Wie er mir sagt, sitzt er nicht freiwillig da, sondern wurde von seiner Mutter zur Beratung „verschleppt“. Er wäre viel lieber mit seinen Kollegen Fußball spielen gegangen. Sven ist am liebsten draußen und beim Essen kann nicht gesagt werden, er hätte ein „Auswahlproblem“. Als ich die Modelle heraushole, um mit Ihm eine genaue Anamnese zu machen, sagt er: „Die Ernährungspyramide kenne ich. Die hatten wir in der Schule. Ich weiß das schon alles.  Da bekommt man gesagt, was man essen soll, was gut ist und gesund. Aber das mache ich schon alles.

Sven isst nämlich alles, auch Gemüse und Rohkost, wie in der anschließenden Anamnese sehr schnell klar wird. Nur, wo liegt dann das Problem, denn Sven liegt weit über der 97. Perzentile, ist also laut Arzt adipös.

Er solle weniger essen und sich mehr bewegen, sagte unlängst der Arzt. Er solle das „Richtige“  essen, so lernte er in der Schule und er solle nicht heimlich essen und sich nicht 3 Teller hintereinander nehmen, meint die Mutter und ich müsse ihm das mal als „Außenstehender“ sagen.

 

Du sollst – oder die Tyrannei der gesunden Ernährungsbotschaften

Du sollst dies und sollst jenes lassen. Wir wissen, was für Dich gut und richtig ist. Du musst nur tun, was wir dir sagen und du verlierst Gewicht. Einfach nur vernünftig sein und das „Richtige“ tun und alles wird gut? Und bist du nicht willig, so brauch ich Gewalt?

> Sven wird zur Beratung gezwungen.

> Sven kennt das „Du sollst“ Ernährungsmodell

> Sven kennt Erwachsene, die wissen, was das Problem ist und wie es zu lösen sei.

> Sven wird getadelt, wenn es nicht nach dem Willen von Erwachsenen geht.

Und was ist, wenn seine Adipositas überhaupt nicht zu lösen ist, mit einer „gesunden Ernährung“, weil diese Regeln a.) das Problem von Sven überhaupt nicht touchieren und b.) lernen ohne verstehen überhaupt nicht funktionieren kann? Dann sind Appelle an die Vernunft, Vorschriften, was gut und richtig ist, Ernährungsregeln und „Du sollst-Du musst-ich will“ Botschaften nichts weiter als verdeckte Tyrannei.

 

Von Selbstbestimmung, Freiwilligkeit und Verantwortlichkeit

1. Freiwilligkeit

Eine Beratung kann erst stattfinden, wenn Sven freiwillig dazu bereit ist. Dieses grundsätzliche Beratungsprinzip (nach Wunderlich und Tymister) ist die Grundvoraussetzung für eine gelingende Beratungsbeziehung ohne die jegliche Wirksamkeit von vorne herein sabotiert wird (Erfolgsfaktor „Relation“).

2. Selbstbestimmung

Bereits Maria Montessori wusste, dass lernen nur möglich ist, wenn der Mensch darin gestärkt wird, es alleine zu schaffen. „Hilf mir, es alleine zu tun“, ist der Satz, der noch heute Gültigkeit hat.

3. Verantwortung

Nur wem die Verantwortung für sein Handeln und nicht tun zugemutet wird, kann diese auch tragen und zu einem fürsorglich selbstbestimmten Menschen werden. Sven nützt es nichts, wenn ihm die Verantwortung abgenommen oder gar abgesprochen wird. Es nützt ihm nichts, wenn andere für ihn bestimmen und es dabei zwar gut meinen, aber nicht im Sinne von Selbstbestimmung auch gut machen.

Auch Sven kann Verantwortung für sein Essen übernehmen, wenn man ihn lässt und zulässt, dass er Schritt für Schritt lernt. 1.) seine Menge selbstbestimmt zu kontrollieren und 2.) ein tiefes Verständnis für seine Naschsucht zu entwickeln, dadurch, dass man ihm die volle Verantwortung für seine Gefühle und Stimmungen übergibt.

Statt dessen ist in vielen Familien die Not und Hilflosigkeit so groß, dass Eltern mehr und mehr die Tendenz haben, sich in die Verantwortlichkeiten des Kindes „einzumischen“ und Kinder, insbesondere nicht rebellische adipöse Kinder, jegliche Verantwortung für ihr Tun und unterlassen, anderen überlassen mit der Konsequenz sich immer weniger selbst zuzutrauen, immer weniger „laut“ aufzubegehren, sich immer mehr in die Entmutigungs-Ess-Schlaufe zu manövrieren.

Jedem seine Verantwortung

Folgende Regeln, was die Verantwortung von Kindern und Erwachsenen beim essen angelangt, sollten berücksichtigt werden, wohl wissend, dass das in der Regel in meinen Beratungen die „schwierigste Lernaufgabe“ ist.

 

9.Verantwortung beim Essen

Und Sven und sein Gewicht?

> Sven kam 3x freiwillig zu mir. Er hatte LUST selbst etwas zu ändern.

> Sven bekam Gefallen an den Pyramidenmodellen, weil ich sie ganz anders und ohne „du sollst“ eingesetzt habe. Er sagte: „So macht lernen wirklich Spaß und endlich habe ich verstanden, was das mit mir zu tun hat.“

> Sven bekam die volle Verantwortung für seine Lebensmittelauswahl und für die Essensmenge, sowie für seine Gefühle und Stimmungen.

> Die Eltern von Sven nahmen ihren Teil der Verantwortung ernster als vorher (Einkauf, Vorrat, Zubereitung) und erkannten den schwelenden GeschwisterNEID. Sie lernten auch dort, die Verantwortung für den Streit bei den Kindern zu lassen und sorgten dafür, dass der Älteste (Sven) mehr Freiräume bekam, als die jüngeren Geschwister.

Nach 3 Treffen mit Sven und einem Gespräch mit den Eltern ist ein neues, verantwortliches Gleichgewicht in der Familie entstanden. Sven wiegt 3 kg weniger und ist sehr stolz darauf, was er GANZ ALLEINE geschafft hat.

 

Sollten Sie auch Schwierigkeiten mit dem Gewicht ihrer Kinder haben, so zögern sie es nicht zu lange hinaus, sich Hilfe zu holen. Viele glauben noch irrtümlich daran, es wachse sich aus. Dem ist erfahrungsgemäß leider nicht so.

Gerne stehe ich Ihnen und Ihrer Familie jederzeit nach Vereinbarung, unterstützend zur Seite. Meine Leistung ist von den Kostenträgern anerkannt. Sie erstatten in den meisten Fällen einen Großteil der Kosten oder tragen im Einzelfall sogar die Kosten ganz. Sprechen Sie mit Ihrem Kundenberater. Von uns bekommen Sie entsprechende Formulare gerne zugesandt.

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